11. Mai 2017 |

50 Jahre IAB: Arbeitswelten im Wandel – Herausforderungen für Politik und Forschung

Dass uns die Forschungsthemen auch mit 50 nicht ausgehen, zeigte sich bei der hochkarätig besetzten und sehr gut besuchten Jubiläumstagung, die das IAB am 5. und 6. April 2017 im Berliner ewerk ausrichtete. Kernstück der internationalen Fachtagung waren drei Panelveranstaltungen, die sich mit den Themen „Digitalisierung der Arbeitswelt“, „Gesellschaftlicher Zusammenhalt“ und „Fluchtmigration“ befassten. 

In seiner Einführungsrede stellte Joachim Möller, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Regensburg und seit 2007 Direktor des IAB, drei Prinzipien heraus, die das IAB seit seiner Gründung im Jahr 1967  prägen: Interdisziplinarität, Unabhängigkeit der Forschung, aber auch Forschung in Tuchfühlung mit den arbeitsmarktpolitischen Akteuren, insbesondere mit der Bundesagentur für Arbeit (BA).

Möller: „Das IAB prägen bis heute Interdisziplinarität, Unabhängigkeit der Forschung und Forschung in Tuchfühlung mit den arbeitsmarktpolitischen Akteuren“

Institutsdirektor Prof. Joachim Möller erläuterte, welche Prinzipien das IAB seit seiner Gründung im Jahr 1967 prägen.

Joachim Möller betonte, dass das Wesen sozialwissenschaftlicher Forschung gesellschaftliche Relevanz sein müsse. Daran orientiere sich auch das IAB, das gesellschaftliche Relevanz und wissenschaftliche Exzellenz miteinander zu verbinden suche. Die Nähe zu und der Austausch mit der Zentrale der BA und ihren Regionaldirektionen sorge dabei für die erforderliche „Bodenhaftung“.

Im Vergleich zu seinen Anfangszeiten hat das IAB heute ein sehr breites Aufgabenspektrum. Als Beispiele nannte Möller unter anderem die Wirkungsforschung, die Forschung zur Grundsicherung und die Bildungsforschung. Eine Besonderheit sei zudem das Regionale Forschungsnetz mit Forschungseinheiten des IAB in den Regionaldirektion der BA. Zudem betonte er, dass das IAB mit den administrativen Mikrodaten der BA und den regelmäßigen Großerhebungen über eine herausragende Datenbasis verfügt, die dank des Forschungsdatenzentrums weltweit genutzt werden könne.

Angesichts des technischen Fortschritts bei der elektronischen Datenverarbeitung hätten sich auch die  eingesetzten Auswertungsmethoden beständig weiterentwickelt. So ließen sich heute kausale Effekte und Wirkungszusammenhänge diagnostizieren, die über bloße Korrelationen hinausgehen. Dass das IAB methodisch „up to date“ ist, zeigt laut Möller auch die hohe Zahl an Publikationen in internationalen referierten Journals. Zudem profitiere das Institut mittlerweile von einer starken internationalen Vernetzung ebenso wie von einer deutlich intensiveren Zusammenarbeit mit deutschen Hochschulen, die sich aus der Verknüpfung von Leitungspositionen am IAB mit Stiftungsprofessuren an verschiedenen Universitäten ergebe.

Staudinger: „Wir werden kalendarisch älter, aber kognitiv jünger“

Die international renommierte Alterswissenschaftlerin Prof. Ursula Staudinger ging unter anderem auf den Zusammenhang zwischen Arbeit und Altern ein.

Die Haupt-Keynote hielt Prof. Ursula Staudinger, eine der international führenden Forscherinnen auf dem Gebiet der Alternswissenschaften. Die Gründungsdirektorin des Robert N. Butler Columbia Aging Centers, Leiterin des International Longevity Center und Professorin an der Columbia University in New York sprach über „die gewonnenen Jahre“.  In den letzten 100 Jahren, so Staudinger, hätten die Menschen in den entwickelten Ländern 30 Lebensjahre dazugewonnen. Dass sich auch das Alter und das Altern im Laufe der Jahrhunderte stark verändert haben, illustrierte die Psychologin eindrucksvoll mit einem Porträt der Mutter Albrecht Dürers, die für heutige Betrachter uralt wirkt, aber seinerzeit erst 63 Jahre zählte.

Die kognitive Leistung hat dabei laut Staudinger von Generation zu Generation ein höheres Niveau erreicht. „Wir werden kalendarisch älter, aber kognitiv jünger“, konstatierte Staudinger. Die zweite gute Nachricht für die Zuhörenden: Man kann etwas für den Erhalt der Mechanik des Geistes tun. Ein regelmäßiges körperliches Ausdauertraining beeinflusse die Mechanik des Geistes positiv. Die Psychologin plädiert denn auch dafür, sich vom häufig negativen Bild des Alters und des Alterns zu lösen.

Staudinger: „Das Arbeitsleben kann kognitives Altern beschleunigen oder verlangsamen“

Ausführlich ging Ursula Staudinger auf den Zusammenhang zwischen Arbeit und Altern ein: Je komplexer eine Tätigkeit ist, desto geschützter sei die kognitive Leistungsfähigkeit. Die ausgeübte Tätigkeit hat demnach auch Einfluss darauf, ob kognitives Altern beschleunigt oder verlangsamt wird. Damit zeigte sie einen wichtigen Ansatzpunkt für die Ausgestaltung von Arbeitsplätzen auf.

Die Alternswissenschaftlerin resümierte, dass wir die gewonnen Jahre noch nicht in die Lebensläufe eingeplant hätten. Momentan sähen wir hochoptimierte erste 30 Lebensjahre und dann häufig ein „Freizeit-Nirwana“ für die letzten 30 Jahre,  sagte Staudinger. So zögen wir aktuell noch nicht genug Nutzen aus unserem längeren Leben. Für die Arbeit seien veränderte Anerkennungskulturen, mehr Autonomie und lebensbegleitendes Lernen wichtige Themen. Kompetenzentwicklungsberatung und das selbstverständliche Einbauen von körperlichen Aktivitäten in den Alltag hält Staudinger für probate Ansätze, um ein gesundes Älterwerden in der Arbeit zu ermöglichen.

Panel I: Digitalisierung der Arbeitswelt

Im ersten Panel beleuchteten drei renommierte Forscher aus dem In- und Ausland die Effekte der Digitalisierung auf die Beschäftigung, auf die Funktionsweise von Arbeitsmärkten, auf den Wandel der Erwerbsformen und auf die Arbeitsbedingungen beleuchtet.

Krings: „Digitalisierung ermöglicht neue Arbeitsmodelle“

Dr. Bettina-Johanna Krings vom Karlsruher Institut für Technologie sprach über die digitale Logik bezahlter Arbeit und ihre Auswirkungen.

Dr. Bettina-Johanna Krings, Forschungsbereichsleiterin am Karlsruher Institut für Technologie, machte in ihrem Vortrag „Moderne Zeiten: Die digitale Logik bezahlter Arbeit und ihre Auswirkungen“ deutlich, dass die Digitalisierung der Arbeitswelt auch zu einer Transformation der Gesellschaft führt. Informationstechnologie wird laut Krings auf allen Ebenen immer mehr genutzt. Arbeitsprozesse würden aufgrund der besseren Verfügbarkeit von Informationen standardisiert, es entstünden neue Geschäftsfelder und veränderte Wertschöpfungsketten. Krings warnte, dass die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben durch die ständige Verfügbarkeit von digitaler Infrastruktur immer mehr verschwimmen.

Die digitale Ökonomie, so Krings, beschleunigt nicht nur die Arbeitsprozesse, sondern ermöglicht auch ein transnationales Produktionssystem. Die Arbeit werde intensiviert,  Arbeitsprozesse stärker aufgespaltet. Es entwickelten sich neue Modelle der Arbeitsorganisation wie „crowd work“, wodurch auch neue Berufe und Qualifikationsprofile entstünden. Die Arbeitsverhältnisse werden ihrer Einschätzung nach flexibler und unsicherer.

Als Beispiel führte Krings das Gesundheitswesen an: Die Digitalisierung der Verwaltung führe zu einer zunehmenden Kontrolle der Arbeit im Gesundheitswesen. Da sich die von den Pflegern auszuführende interaktive tägliche Pflegearbeit  nicht in Zahlen bemessen lasse, wachse der Zeitdruck durch Controlling-Systeme, die nur Messbares erfassen – mit potenziell negativen Folgen für die Beziehung zwischen Pflegern und Patienten.

Die Forschung, die bisher vor allem untersucht habe, wie Digitalisierung die Produktionsprozesse verändert habe, müsse stärker als bisher deren Auswirkungen auf den Menschen und dessen Arbeit in den Blick nehmen.

Lehdonvirta: „Die Digitalisierung führt vor allem zu Änderungen in den zugrunde liegenden Marktmechanismen“

Prof. Vili Lehdonvirta von der Universität Oxford stellte den Zusammenhang zwischen digitalen Arbeitsmärkten und dem Aufstieg plattformbasierten Arbeitens dar.

Vili Lehdonvirta, außerordentlicher Professor und Senior Research Fellow am Internet Institute der Universität Oxford, stellte in seinem Vortrag den Zusammenhang zwischen digitalen Arbeitsmärkten und dem Aufkommen von plattformbasiertem Arbeiten vor.

Im Rahmen eines Forschungsprojekts entwickelte Lehdonvirta den Online Labour Index, um die Informationslücken in den bestehenden Statistiken zu füllen. Der Index enthält alle Tätigkeitsangebote, die von Selbständigen aus unterschiedlichen Berufen auf allen englischsprachigen Plattformen veröffentlicht wurden. Im Laufe des ersten Jahres nach dem Start des Index stieg die Zahl der Angebote um elf Prozent, wobei die größte Nachfrage  mit 50 Prozent aus den USA kommt, auf Deutschland entfallen nur 1,8 Prozent. Angeboten werden vor allem Softwareentwicklung, Multimedia- und Dateneingabejobs.

Mit Online-Plattformen ändert sich Lehdonvirta zufolge der Nachweis von Qualifikationen: Viele Anbieter gäben keine formalen Qualifikationen mehr an. Stattdessen gebe es eine Bewertungsskala und Kommentare von Kunden auf der Plattform, die als Qualifikationsnachweis dienten.

Internetpattformen bergen laut Lehdonvirta die Gefahr einer Abwärtsspirale bei den Löhnen, weil dort eine direkte weltweite Konkurrenz herrscht. Auch die Einkommensverteilung unter den Anbietern sei sehr ungleich, nur wenige verdienten sehr viel, die meisten verdienten sehr wenig.

Rein technisch könne ein nationales Lohnniveau, wie es bei klassischen Verträgen etwa über tarifliche oder gesetzliche Regelungen durchgesetzt werden kann, auf den Plattformen auch international problemlos durchgesetzt werden. Der jeweilige Account könne gesperrt und Vertragsbrüchige so vom Markt ausgeschlossen werden. Auch ein Mindestlohn könne auf Internetplattformen durch entsprechende Programmierung ohne weiteres implementiert werden. Allerdings sei angesichts der großen Spannbreite der Preisvorstellungen der Anbieter ein Interessenkonflikt vorprogrammiert: Anbieter aus Niedriglohnländern wie Bangladesch verlören durch einen Mindestlohn ihren Marktvorteil und könnten nicht mehr gegen die Konkurrenz bestehen. Zugleich werde eine gewerkschaftliche Organisation der Anbieter, wie sie etwa bei klassischen Industrieberufen gängig ist, durch die unterschiedlichen Interessen der Anbieter verhindert.

Weber: „Die Arbeit wird uns aufgrund der Digitalisierung nicht ausgehen“

Prof. Enzo Weber vom IAB befasste sich mit  den gesamtwirtschaftlichen und betrieblichen Auswirkungen der Digitalisierung.

Der Ökonom Enzo Weber, der am IAB den Forschungsbereich „Prognosen und Strukturanalysen“ leitet und einen Lehrstuhl für empirische Wirtschaftsforschung an der Universität Regensburg innehat, beschäftigte sich in seinem Vortrag mit den Auswirkungen der Digitalisierung auf dem Makro- und Firmenlevel. Die Unternehmen versprächen sich von der Digitalisierung zwar eine höhere Produktivität, berichteten aber auch von höheren Anpassungskosten. Weber zufolge ist die Beziehung zwischen Arbeitsmarkt und Digitalisierung eine ambivalente: Jobs würden substituiert, aber es entstünden auch neue Jobs wegen der notwendigen Investitionen sowie der Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen. Zugleich änderten sich die Tätigkeits- und Bildungsinhalte.

Weber präsentierte die Ergebnisse einer komplexen ökonomischen Modellrechnung, in der die Folgen des technologischen Wandels für den Arbeitsmarkt simuliert wurden. Demzufolge sind kaum negative Auswirkungen auf die Beschäftigung insgesamt zu erwarten, allerdings deutlich mehr Dynamik in der Beschäftigtenstruktur. Während Berufe in der Produktion durch die Digitalisierung weniger würden, steige der Bedarf an hochspezialisierten Tätigkeiten.

Auf Firmenebene zeigt sich laut Weber ein großer Unterschied im Grad der Digitalisierung, aber kein Arbeitskräfteabbau bei stärker digitalisierten Firmen. Allerdings änderten sich sowohl die Arbeitsbedingungen als auch die Qualifikationsanforderungen für neueingestellte Arbeitskräfte.

Die Arbeit, so Webers Fazit, werde durch die Digitalisierung zwar nicht verschwinden, allerdings werden sich die Anforderungen und Bedingungen ändern. Heute vorhandene Marktvorteile könnten morgen bereits obsolet sein. Wichtig sei es daher, die Bildungsinhalte anzupassen und adäquate Weiterbildungsstrategien zu entwerfen.

Thorben Albrecht: Qualifizierung muss auf allen Ebenen gestärkt werden

Im Zwiegespräch mit Moderator Frank Christian Starke vom Westdeutschen Rundfunk erläuterte Thorben Albrecht, Staatssekretär im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, die Perspektive der Politik auf das Thema Arbeit 4.0. Albrecht warnte vor Horrorszenarien, die teils auch von den Medien geschürt würden, und begrüßte die Versachlichung der Diskussion durch aktuelle wissenschaftliche Studien, die ein sehr differenziertes Bild zu den Auswirkungen der Digitalisierung auf den Arbeitsmarkt zeichneten.

Staatssekretär Thorben Albrecht vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (links) erläuterte im Zwiegespräch mit Moderator Frank Christian Starke vom WDR die Perspektive der Politik auf das Thema Arbeit 4.0.

Die Digitalisierung werde nicht zu einem Kahlschlag, aber durchaus zu einem Umbruch am Arbeitsmarkt führen. In solch einer Umbruchsituation wandelten sich Berufe. Es gebe zwar Arbeitsplatzverluste in bestimmten Branchen, andererseits entstünden aber auch neue Jobs in anderen Bereichen, sagte Albrecht. Es gelte vor allem, den Qualifikationsbedarf für die Zukunft zu ermitteln und durch entsprechende Qualifizierungen zu befriedigen. Dies sei eine große Aufgabe auf allen Ebenen. Die Politik sei hier gefordert, die geeigneten Rahmenbedingungen zu schaffen.

Auch den Datenschutz sieht Albrecht als wichtiges politisches Handlungsfeld im Zusammenhang mit der Digitalisierung der Arbeit. Als wichtige Herausforderungen benannte er zudem den Fachkräftemangel und das Problem der verfestigten Langzeitarbeitslosigkeit. Dies erfordere ein Umdenken der Unternehmen, aber auch eine staatliche Unterstützung insbesondere bei der Einstellung von Bewerbern mit Vermittlungshemmnissen. Zudem solle die BA in der aktuellen Umbruchsphase investieren, um Arbeitslosigkeit zu verhindern. Im Bereich der Grundsicherung hält Albrecht Qualifizierung für ein nachhaltigeres Ziel als die Vermittlung. Für sehr arbeitsmarktferne Personen könne aber auch öffentlich geförderte Beschäftigung der richtige Weg sein.

Scheele: „Wir als BA werden auf das IAB hören – meistens!“

Detlef Scheele, Vorstandsvorsitzender der BA, lobte die starke Entwicklung des IAB in den letzten Jahren.

Dem Vorstandsvorsitzenden der BA, Detlef Scheele, fiel die Aufgabe zu, das Schlusswort für den ersten Tag der Fachtagung zu halten. Mit Verweis auf die Gründungsgeschichte des IAB machte Scheele deutlich, dass technologischer Wandel seit jeher eines der bedeutendsten Themen der Arbeitsmarktforschung ist. Scheele lobte die starke Entwicklung des IAB in den letzten Jahren. Gerade in der Wirkungsforschung sei das IAB ein wichtiger Ratgeber für die BA und die Politik. Damit lege das Institut das wissenschaftliche Fundament für die aktive Arbeitsmarktpolitik in Deutschland. Dank seiner Unabhängigkeit könne sich das IAB mit seinen sachlichen Analysen als kritischer Mahner positionieren, auch wenn manche Ergebnisse für die Beratungsempfänger durchaus unangenehm seien. „Wir als BA werden auf Sie hören“, versprach Scheele dem IAB und fügte scherzhaft hinzu: „Meistens!“

Panel II: Gesellschaftlicher Zusammenhalt

Der gesellschaftliche Zusammenhalt in Deutschland wird durch Digitalisierung, Immigration, Ungleichheiten, politische Radikalisierung und die Krise des europäischen Einigungsprozesses gefährdet. In einem mit hochkarätigen Forschern aus Deutschland, Großbritannien und den USA besetzten Panel wurden die daraus resultierenden Herausforderungen in den Blick genommen.

Jenkins: „Die Fortschritte der EU-Mitgliedsländer bei der Armutsbekämpfung waren enttäuschend”

Prof. Stephen Jenkins von der London School of Economics and Political Science sprach über Ungleichheit, Armut und soziale Exklusion.

Stephen Jenkins, Professor für Wirtschaft und Sozialpolitik an der London School of Economics and Political Science skizzierte in seinem Vortrag, wie sich Armut in der Europäischen Union seit den frühen 1990er Jahren entwickelt hat. Dabei diskutierte er auch die vielfältigen Schwierigkeiten bei der statistischen Erfassung von Armut.

Die Qualität von Sozialindikatoren, um das Ausmaß von Armut bestimmen zu können, hat sich Jenkins zufolge seit den 1980er Jahren deutlich verbessert. So wurden beispielsweise Fortschritte in der Harmonisierung europäischer Daten zur Armutsmessung gemacht, die länderübergreifende Vergleiche ermöglichen. Allerdings sind die Fortschritte in der tatsächlichen Armutsbekämpfung im europaweiten Vergleich aus Jenkins‘ Sicht eher enttäuschend. So stagnierten die Armutsindikatoren in den meisten Ländern oder stiegen seit der Weltwirtschaftskrise sogar an – befördert durch nationale Sparpolitiken mit deutlichen Prioritätenverschiebungen in der Sozialpolitik. So würde  dem Wirtschafts- und Beschäftigungswachstum mehr Bedeutung beigemessen als  der sozialen Inklusion.

Mitunter wird mit dem Verweis auf länderspezifische Lebenshaltungskosten und individuelle Bedürfnisse nach Gütern eine einkommenszentrierte Messung von Armut infrage gestellt. Ein Deprivationsindex, wie er bereits in den 1970er Jahren von Peter Townsend entwickelt wurde, trüge dieser Problematik Rechnung. Im Gegensatz zu Maßen zur Einkommensarmutsmessung sind länderspezifische Deprivationslisten in den EU-Daten jedoch nicht auf dem neuesten Stand.

Vogel: „Eine vitale Demokratie bedarf öffentlicher Güter!“

Prof. Berthold Vogel vom  Soziologischen Forschungsinstitut an der Universität Göttingen befasste sich mit dem Wert öffentlicher Güter für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Prof. Berthold Vogel, geschäftsführender Direktor des Soziologischen Forschungsinstituts an der Universität Göttingen, sprach in seinem Vortrag den „Wert öffentlicher Güter für den gesellschaftlichen Zusammenhalt“ an. Vogel vertritt  dabei einen weiten Begriff öffentlicher Güter, der unter anderem die Gesundheitsversorgung, die technische Infrastruktur, die Verwaltung und die Rechtsprechung einbezieht. In seinem Plädoyer, wie er es selbst bezeichnete, machte der Soziologieprofessor klar, dass öffentliche Güter und der allgemeine Zugang dazu Kollektivität herstellen und somit wichtige Prinzipien demokratischer Gesellschaftsgestaltung darstellen.

Allerdings seien Unterschiede in der Bereitstellung, in der Qualität und in der Quantität öffentlicher Güter zu beobachten. Diese Unterschiede tragen nach Vogels Einschätzung dazu bei, dass die gesellschaftliche Mitte schwindet, denn die soziale Kohäsion sei direkt abhängig von der Verwertbarkeit und der Generalisierbarkeit öffentlicher Güter. Die Qualität öffentlicher Güter spiegele die Qualität der Gesellschaft wider. Auch die Wissenschaft, so Vogel, müsse sich diesem Thema stärker zuwenden.

Brady: „Ethnische Vielfalt und ein ausgebauter Wohlfahrtsstaat schließen einander nicht aus”

Prof. David Brady von der University of California ging der Frage nach, wie  Zuwanderung und ethnische Heterogenität wirtschaftlichen Egalitarismus beeinflussen.

Prof. David Brady, Sozialwissenschaftler an der University of California, ging in seinem Vortrag der Frage nach, ob Zuwanderung und ethnische Heterogenität einerseits sowie Solidarität, Zusammenhalt und wirtschaftlicher Egalitarismus andererseits so inkompatibel sind, wie in vielen Studien behauptet. Zunächst machte er deutlich, dass diese Studien vielfach auf einer aus seiner Sicht schwachen empirischen Grundlage fußen. So verwies er unter anderem auf Schwächen in der Methodik, fragwürdige Ländervergleiche und eine problematische Datenbasis.

Umgekehrt nannte er eigene Studien, denen zufolge Migration positive Effekte auf individuelle Einstellungen zur wohlfahrtsstaatlichen Fürsorge habe. Auch eine deutsche Studie von Schmidt-Catran und Spies aus dem Jahr 2016 weise in eine ähnliche Richtung:  Demnach betrachten Menschen in Regionen mit hohen Ausländeranteil zusätzliche Migration lediglich als eine weitere Form wirtschaftlichen Wettbewerbs – was wiederum zu einem höheren Bedarf an Sozialpolitik führe. In Regionen hingegen, wo die Menschen nicht  an ethnische Vielfalt gewöhnt seien, reagierten diese ablehnend auf sozialpolitische Interventionen, wenn die regionale Zuwanderung steigt.

Lessenich: „Wir leben nicht über unsere Verhältnisse, sondern über die anderer“

Prof. Stephan Lessenich von der Ludwig-Maximilians-Universität München provozierte mit der These, dass die reichen Industriegesellschaften des globalen Nordens nicht über ihre Verhältnisse, sondern über die anderer leben.

Stephan Lessenich, Professor für Soziologie und Direktor des Instituts für Soziologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München, provozierte in seinem Vortrag ebenso wie in seiner 2016 erschienenen Streitschrift „Neben uns die Sintflut“ mit der These, dass wir – also die 25 reichen Industriegesellschaften des globalen Nordens – nicht über unsere Verhältnisse, sondern über die anderer leben. Diese kapitalistisch geprägten Gesellschaften wirtschafteten nicht nur nach dem Motto „nach uns die Sintflut“, sondern vielmehr „neben uns die Sintflut“.  Lessenich verwies auf die Herrschaftsverhältnisse der reichen Industriegesellschaften, die dafür sorgten, dass die Lasten und Kosten unter anderem für Gesundheit, Soziales und Umwelt zunehmend auf weniger reiche und weniger einflussreiche Schwellenländer des globalen Südens verlagert würden.

In der Externalisierung erster Ordnung fänden Kostenauslagerung und Gewinnaneignung statt. So würden schmutzige Produktion und soziale Probleme in andere Regionen der Welt ausgelagert. In der zweiten Ordnung sorgten Stabilisierungsfaktoren dafür, dass wir unser Bewusstsein abspalten. So blendeten wir beispielsweise aus, dass schlechte Produktionsbedingungen in anderen Ländern die Grundlage unserer täglichen Lebensweise seien.

Nach Lessenich lassen sich diese Zusammenhänge strukturell in den Machtasymmetrien im Weltsystem beobachten und prozessual in der Beobachtung von monetärer Ausbeutung und sozialer Schließung in den externalisierten Ländern. Allerdings glaubt Lessenich, dass die Grenzen der Externalisierungsstrategie inzwischen erreicht seien und die „Kosten langsam auf uns zurückschlagen“. Die Folgeschäden der Externalisierung seien beispielsweise in Form des Klimawandels sichtbar, aber auch in zunehmenden Ressourcenkriegen und zunehmender Flucht- und Arbeitsmigration.

Panel III:  Fluchtmigration

Im Fokus dieses Panels standen die Ursachen der Fluchtmigration und ihre Konsequenzen für Deutschland und Europa. Neben den Perspektiven für die Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten loteten die Referenten aus Großbritannien, Spanien und Deutschland auch die Chancen für eine Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems ausgelotet.

Hatton: Modell für eine Reform des „Gemeinsamen Europäischen Asylsystems“

Prof.  Timothy Hatton von der Universität Essex stellte Vorschläge zur Reform des gescheiterten Gemeinsamen Europäischen Asylsystems vor.

Timothy Hatton, Professor für Wirtschaft an der Universität Essex und emeritierter Professor an der Australian National University, stellte in seinem Vortrag Vorschläge zur Reform des gescheiterten Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS) vor. Mit Blick auf die Befragungsergebnisse des European Social Survey von 2002 bis 2014, die eine zunehmend positive Haltung gegenüber „echten“ Flüchtlingen sowie eine gestiegene Unterstützung für eine gemeinsame europäische Asylpolitik belegen, schlägt Hatton eine Reform des GEAS vor.

Aus seiner Sicht könnte das bisherige System deutlich verbessert werden durch eine Verschärfung der Grenzkontrollen zur Verhinderung illegaler Einwanderung, die Um- und Neuansiedlung („relocation and resettlement“) von wesentlich mehr Schutzbedürftigen, und eine gerechtere Lastenverteilung unter den EU-Staaten. Letzteres begründet er ökonomisch. Die Aufnahme von Schutzsuchenden entspreche humanitären Motiven und könne deshalb als ein „öffentliches Gut“ betrachtet werden. Um eine nationale Unterversorgung des öffentlichen Gutes „Schutzgewährung“ zu vermeiden und die Aufnahmekapazität für Relocation-and-Resettlement-Programme zu erhöhen, bedarf es nach Meinung von Hatton einer „wohlwollenden“, supranationalen Organisation wie der EU.

Moraga: „Handelbare Kontingente können die Effizienz des bestehenden EU-Quotensystems erhöhen“

Prof. Jesús Fernández-Huertas Moraga von der Universidad Carlos III in Madrid machte konkrete Vorschläge für eine effizientere  Ausgestaltung des EU-Quotensystems.

Jesús Fernández-Huertas Moraga, außerordentlicher Professor an der Universidad Carlos III in Madrid, machte in seinem Beitrag konkrete Vorschläge für eine effizientere  Ausgestaltung des EU-Quotensystems. Von den 180.000 Asylsuchenden beziehungsweise Flüchtlingen, die im Oktober 2015 innerhalb der EU umgesiedelt werden sollten, seien bis zum April 2017 lediglich rund 16.000 Flüchtlinge umverteilt worden.

Um dieses System effizienter zu gestalten, schlägt Moraga ein dreistufiges Modell vor. Ausgangspunkt ist das von EU-Kommission und EU-Parlament entwickelte Quotensystem, ergänzt durch einen Matching-Mechanismus. Bei Letzterem könnten sowohl die Präferenzen der Flüchtlinge für ein Aufnahmeland als auch die Präferenzen der Gastländer für bestimmte Schutzsuchende berücksichtigt werden.  Die Handelbarkeit von Flüchtlingskontingenten – ähnlich dem Handel mit Emissionsrechten in der Umweltpolitik – ist in diesem Modell ausdrücklich vorgesehen.

Die dritte Komponente bildet die Einführung eines Sanktionsmechanismus. Länder, die ihre zugewiesene Quote nicht erfüllen, müssen im Gegenzug die Aufnahmeländer kompensieren. Nach Auffassung von Moraga führt dieses Modell zu sinkenden Kosten, was die Bereitschaft der EU-Mitgliedsstaaten, daran teilzunehmen, erhöhen dürfte.

Brücker:  „Wir können es schaffen“

Prof. Herbert Brücker vom IAB beleuchtete wesentliche  Determinanten einer erfolgreichen Integration von Geflüchteten in den Arbeitsmarkt.

Prof. Herbert Brücker, Leiter des Forschungsbereichs „Internationale Vergleiche und Europäische Integration“ am IAB und der Abteilung „Ökonomische Migrations- und Integrationsforschung“ am Berliner Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung, beleuchtete in seinem Vortrag wesentliche  Determinanten einer erfolgreichen Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten. Brücker betonte, dass diese nicht nur von deren Bildung und Sprachkompetenz abhängen, sondern auch von den Arbeitsmarkterfahrungen, die sie bereits im jeweiligen Herkunftsland gemacht haben.

Repräsentative Ergebnisse der ersten Welle der IAB-BAMF-SOEP-Geflüchteten-Befragung machten zum einen deutlich, dass die Geflüchteten in ihren Wertvorstellungen sehr viel mehr Gemeinsamkeiten mit der deutschen Bevölkerung aufweisen als mit der Bevölkerung aus den Herkunftsländern. Weiterhin zeigten die Befragungsergebnisse, dass die Bildungsaspirationen der Geflüchteten hoch sind, der Bildungshintergrund jedoch sehr heterogen. 35 Prozent der 4.800 Befragten haben Brücker zufolge keinen Schulabschluss, neun Prozent einen Berufsabschluss und 13 Prozent einen Hochschulabschluss.

Der Professor für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Integration Europäischer Arbeitsmärkte, an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg wies darauf hin, dass die Integration in den Arbeitsmarkt und in das Bildungssystem erst am Anfang steht. Dennoch zeigten integrationspolitische Maßnahmen erste Wirkungen. Brücker gab sich deshalb optimistisch, dass „wir es schaffen können“, obwohl die Integration der Geflüchteten in den Arbeitsmarkt sicherlich länger dauern werde als bei anderen Migrantengruppen.

Arbeitsmarktpolitische Podiumsdiskussion

In der abschließenden Podiumsrunde, die erneut von WDR-Redakteur Frank-Christian Starke moderiert wurde, diskutierten fünf Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Politik und Praxis über aktuelle arbeitsmarktpolitische Themen. Dabei wurden wichtige Befunde und Erkenntnisse aus den vorangegangenen Panelveranstaltungen nochmals aufgegriffen. Neben IAB-Direktor Prof. Joachim Möller und BA-Chef Detlef Scheele hatten auch Jana Schimke, Mitglied im Vorstand des Parlamentskreises Mittelstand der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, sowie Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, auf dem Podium Platz genommen. Etwas später gesellte sich auch Johannes Jakob hinzu, der im Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) die Abteilung für Arbeitsmarktpolitik leitet und kurzfristig für DGB-Chef Reiner Hoffmann eingesprungen war, der auf dem Weg zur Veranstaltung im Stau steckengeblieben war.

Wollseifer: „Fast 50 Prozent der Betriebe haben Probleme bei der Nach- und Neubesetzung offener Stellen“

Jana Schimke, Mitglied im Vorstand des Parlamentskreises Mittelstand der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, und Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, nahmen an der abschließenden Podiumsdiskussion teil.

Neben den in den Panelveranstaltungen angesprochenen Themen wurde vor allem die Sicherung des Fachkräftebedarfs als eines der drängendsten Arbeitsmarktthemen in Deutschland identifiziert. Handwerkspräsident Wollseifer sieht im Fachkräftemangel sogar das Kardinalthema für seine Branche. Mittlerweile hätten fast 50 Prozent der Betriebe Probleme bei der Nach- und Neubesetzung offener Stellen – aus seiner Sicht eine veritable Wachstumsbremse für die betroffenen Unternehmen.

Die Wirtschaft brauche vor allem junge, ausbildungsfähige Menschen. Daher, so Wollseifer, müssten die Chancen einer beruflichen Bildung – nicht nur im Handwerk, sondern in allen Berufen – besser kommuniziert werden. Es gebe genug Vorbilder und Beispiele von Handwerkskarrieren, die in den Köpfen von Eltern, Lehrern, und Schülern verankert werden müssten. Wollseifer betonte denn auch die Vorzüge einer betrieblichen Ausbildung gegenüber einem akademischen Studium, beispielsweise mit Blick auf die Ausbildungsvergütung. Kritisch sah Wollseifer die Forderung der OECD nach einer höheren Akademikerquote in Deutschland: „Für die OECD ist ein erfolgreicher Hörgeräteakustiker mit mehreren Filialen ein Bildungsabsteiger, wenn er davor ein Studium abgebrochen hat.“

Möller: „Wir brauchen Durchlässigkeit im Bildungssystem“

Ebenfalls auf dem Podium diskutierten BA-Chef Detlef Scheele, IAB-Direktor Prof. Joachim Möller und Johannes Jakob, Leiter der Abteilung für Arbeitsmarktpolitik im Deutschen Gewerkschaftsbund (von links).

Eine etwas andere Position zu diesem Thema vertrat IAB-Direktor Joachim Möller. Langfristige Betrachtungen zeigten, dass akademisch Qualifizierte sowohl bei den Beschäftigtenanteilen als auch bei den relativen Löhnen im Schnitt deutliche Zugewinne zu verzeichnen hätten. Die jungen Leute hätten sich also bei der Berufswahl durchaus rational entschieden. Möller sprach sich dagegen aus, die höhere Bildung gegen die berufliche Bildung auszuspielen. Vielmehr sollte danach gefragt werden, wie die Potenziale der jungen Menschen möglichst gut ausgeschöpft werden können. Hierfür komme es vor allem auf die Durchlässigkeit des Bildungssystems an.

Scheele: „Auf jeden Fall in den Arbeitsmarkt einsteigen, auch wenn die Bedingungen zunächst nicht optimal sind!“

Aus Sicht von BA-Chef Detlef Scheele sind für die Berufswahl junger Menschen vor allem die Tarifbedingungen und Entwicklungsperspektiven in den jeweiligen Branchen entscheidend. Den jungen Menschen selbst empfiehlt er, auf jeden Fall in den Arbeitsmarkt einzusteigen, auch unter zunächst nicht optimalen Bedingungen. Schließlich sei es immer einfacher, sich aus einem Beschäftigungsverhältnis als aus der Arbeitslosigkeit heraus zu bewerben. Credo: „Erst mal anfangen zu arbeiten, es kann auch ein Einstieg in den Aufstieg sein!“

Schimke: „Unternehmen brauchen mehr Gestaltungsfreiheit bei der Arbeitszeit“

Für die CDU-Bundestagsabgeordnete Jana Schimke ist neben der Ausbildung und Heranführung junger Menschen an den Arbeitsmarkt vor allem die Stärkung der unternehmerischen Freiheit ein drängendes Thema. Die Politik macht aus ihrer Sicht zu viele Gesetze, die zu einer immer weiteren Belastung vor allem der kleinen und mittleren Unternehmen führen. Sie machte keinen Hehl daraus, dass sie die Grenzen der Belastungsfähigkeit bereits für erreicht – wenn nicht überschritten – hält. So forderte sie, ähnlich wie Handwerkspräsident Wollseifer, eine Entlastung bei den Sozialbeiträgen. Auch mit Blick auf die Herausforderungen der Digitalisierung plädierte Schimke für eine Flexibilisierung des Arbeitsrechts, etwa in Fragen von Homeoffice und Arbeitszeitgestaltung.

Jakob: „Was in den Vorschriften steht, ist das eine – was in den Betrieben passiert, das andere“

Gewerkschaftsvertreter Johannes Jakob sah dies naturgemäß anders. Es sei die eine Sache, was in den Vorschriften stehe. Eine andere sei es, was in den Betrieben passiere. Tatsächlich werde bereits hochflexibel gearbeitet. Viele Risiken, beklagte er, seien bereits von den Unternehmen auf die Beschäftigten verlagert worden – mit negativen Auswirkungen auf die Gesundheit.

Walwei: „Veränderungsprozesse bedürfen kontinuierlicher Forschung“

Von der Stabilität des Wandels sprach Dr. Ulrich Walwei, Vizedirektor des IAB, in seinem Schlusswort zur Fachtagung.

Dr. Ulrich Walwei, Vizedirektor des IAB, zog aus den unterschiedlichen Vorträgen der Fachtagung das Fazit: „Wenn etwas stabil ist, dann ist es der Wandel.“ Die Volatilität des Arbeitsmarktes liefere aber zugleich Themen für die Forschung. Die Themen Digitalisierung und Zuwanderung, die in zwei Panels diskutiert wurden, seien nicht neu, zeigten sich aber in einem neuen Gewand, wohingegen gesellschaftliche Ungleichheiten als drittes Thema einen vergleichsweise jungen Trend darstellten, bei dem die Forschung noch nicht so weit fortgeschritten sei.

Veränderungsprozesse bedürften kontinuierlicher Forschung, ansonsten „droht ein Blindflug“, argumentiert Walwei. Das IAB werde diese Wandlungsprozesse begleiten und sich darüber mit seinen Partnern aus Wissenschaft und Praxis austauschen. Zum Abschluss bedankte sich Walwei bei den Organisatoren und allen Mitwirkenden der Veranstaltung.

Alle Fotos: J. Konrad Schmidt

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