10. Mai 2017 |

50 Jahre IAB: Festakt im Berliner ewerk

Rund 400 Gäste aus Wissenschaft und Praxis, darunter viele langjährige Weggefährten des IAB, hatten sich am 5. April 2017 zum Festakt im Berliner ewerk versammelt, um dem Institut zum 50. Jahrestag seines Bestehens ihre Aufwartung zu machen (ein Tagungsbericht zur begleitenden Fachtagung erscheint in Kürze). Dass uns dort allenthalben Lob zuteilwurde, war natürlich auch dem festlichen Anlass geschuldet – aber eben nicht nur diesem. Denn die Redner und Diskutanten wussten sich nicht nur darin einig, dass sich das IAB im Laufe der Jahre zu einem unverzichtbaren Player in der Arbeitsmarkt- und Berufsforschung und in der Politikberatung gemausert hat, sondern belegten dies auch eindrucksvoll mit ihren positiven persönlichen Erfahrungen.

Begrüßung durch IAB-Direktor Joachim Möller

Möller: „Die Geschichte des IAB ist eine Geschichte von Kontinuität und Wandel“

IAB-Direktor Prof. Joachim Möller eröffnet den Festakt im Berliner ewerk

IAB-Direktor Prof. Joachim Möller eröffnet den Festakt im Berliner ewerk.

Prof. Joachim Möller, seit 2007 Direktor des IAB, skizzierte in seiner Eröffnungsansprache die Geschichte des IAB als eine Geschichte von Kontinuität und Wandel. So spielte die Automatisierungsdebatte bereits für die Gründung des IAB eine maßgebliche Rolle – und taucht heute unter dem Schlagwort Arbeit 4.0 in neuem Gewand wieder auf. Einen enormen Entwicklungsschub hingegen habe es bei der Datenverfügbarkeit und den Möglichkeiten der Datenauswertung gegeben. Möller verwies in diesem Zusammenhang auf die vielen Datensätze des IAB, die mittlerweile auch externen Forscherinnen und Forschern im In- und Ausland zur Verfügung stehen. Ein positives Bild zeichnete Möller auch bei der Entwicklung in anderen Bereichen, etwa der steigenden Zahl an Publikationen in international hochkarätigen Fachzeitschriften.

Gesprächsrunde mit Vertretern des Vorstands und des Verwaltungsrats der BA

Anschließend wurde die Rolle des IAB in zwei Podiumsrunden beleuchtet – zunächst aus der Sicht wichtiger Akteure aus der arbeitsmarktpolitischen Praxis, sodann aus der Perspektive hochkarätiger Wissenschaftler. Die ebenso kompetente wie kurzweilige Moderation der beiden Runden oblag Dr. Marc Beise, der seit 2007 die Wirtschaftsredaktion der Süddeutschen Zeitung leitet. In der ersten Podiumsrunde diskutierte der neue Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit (BA), Detlef Scheele, mit drei Repräsentanten aus dem Verwaltungsrat der BA: Annelie Buntenbach, seit 2006 Mitglied im Geschäftsführenden Bundesvorstand des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Peter Clever, Mitglied der Hauptgeschäftsführung der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände sowie Dr. Elisabeth Neifer-Porsch, die im Bundesministerium für Arbeit und Soziales die Abteilung für „Arbeitsmarktpolitik, Ausländerbeschäftigung, Arbeitslosenversicherung, Grundsicherung für Arbeitsuchende“ leitet.

v.l.n.r.: Moderator Marc Beise (Süddeutsche Zeitung) im Gespräch mit Annelie Buntenbach (Deutscher Gewerkschaftsbund), Peter Clever (Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände), Dr. Elisabeth Neifer-Porsch (Bundesministerium für Arbeit und Soziales) und Detlev Scheele (Bundesagentur für Arbeit)

Warfen einen Blick von außen auf das IAB (von links): Moderator Dr. Marc Beise (Süddeutsche Zeitung) im Gespräch mit Annelie Buntenbach (Deutscher Gewerkschaftsbund), Peter Clever (Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände), Dr. Elisabeth Neifer-Porsch (Bundesministerium für Arbeit und Soziales) und Detlef Scheele (Bundesagentur für Arbeit).

Neifer-Porsch: „Die Unabhängigkeit des IAB ist ein großer Schatz“

Die Vertreter des Verwaltungsrats betonten übereinstimmend, dass die Expertise des IAB im Verwaltungsrat intensiv genutzt werde. Annelie Buntenbach nannte beispielhaft die Themen Digitalisierung und Integration von Geflüchteten. Zudem unterstrichen die Diskutanten den hohen Stellenwert der Unabhängigkeit des IAB gegenüber seinen Auftraggebern. Elisabeth Neifer-Porsch bezeichnete die Unabhängigkeit als großen Schatz, den es zu bewahren gelte. Sie sei die Voraussetzung dafür, dass die Expertise des IAB über Parteigrenzen hinweg geschätzt und akzeptiert werde. Buntenbach stimmte dem zu, machte aber zugleich deutlich, dass das IAB bei kontroversen Diskussionen nicht den Schiedsrichter spielen könne. Auch Peter Clever bewertete die Unabhängigkeit des IAB positiv, monierte aber, dass die in den Berichten des IAB publizierten Forschungsergebnisse in der Öffentlichkeit mitunter stark vereinfacht ankämen, was aber aus seiner Sicht nicht für die positive Einschätzung des Mindestlohns durch das IAB gelte – für dessen Einführung sich im Übrigen auch Clever selbst ausgesprochen hatte.

Scheele: „Toll, dass man die Expertise des IAB jederzeit abrufen kann!“

Detlef Scheele schätzt das IAB nach eigenem Bekunden besonders deswegen, weil er dessen Expertise jederzeit in Anspruch nehmen und zeitnah Ergebnisse bekommen könne. Dies habe sich zum Beispiel im vergangenen Jahr bewährt, als die BA vor der Herausforderung stand, Programme zur Integration von Geflüchteten zu entwickeln. Dabei seien insbesondere die Erkenntnisse aus der Flüchtlingsbefragung eine große Hilfe gewesen. Auch bei der Integration von Langzeitarbeitslosen setzt Scheele stark auf die Expertise des Instituts. Zudem äußerte er Verständnis dafür, wenn Beratungsergebnisse des IAB nicht immer kurz und knapp, sondern mitunter recht umfangreich und sehr differenziert ausfallen. Dem pflichtete auch Neifer-Porsch bei: Differenzierte Analysen hülfen meist mehr als Kurz-Zusammenfassungen mit Bullet Points.

Clever: „Ich würde mir eine Verstärkung der Forschung zum Thema Rehabilitation und Schwerbehinderte wünschen“

Abschließend bat der Moderator die Diskutanten darum, jeweils ein Thema zu nennen, bei dem der Rat des IAB künftig besonders wichtig sei. Clever hob an dieser Stelle das Thema Rehabilitation hervor: Die Forschung zur Integration von Menschen mit Behinderungen müsse noch stärker anwendungsorientiert und nutzbar für das operative Geschäft der BA werden. Aus Sicht von BA-Chef Scheele ist der Wandel der Arbeitswelt durch die Digitalisierung ein zentrales Zukunftsthema, bei dem die BA auf die Expertise des IAB angewiesen sei. Die Herausforderung bestehe vor allem darin, die einschlägige Forschung für die Vermittlungs- und Beratungsprozesse in der BA handhabbar zu machen. Aus Sicht von Neifer-Porsch wird vor allem der Wissenstransfer aus der IAB-Migrationsforschung in andere europäische Länder an Bedeutung gewinnen. Buntenbach schließlich erhofft sich vor allem beim Thema Aufwärtsmobilität weiteren Beratungsinput aus dem Institut: Die Aufstiegsmöglichkeiten am Arbeitsmarkt müssten verbessert werden, und die Forschung könne dazu beitragen, mögliche Hindernisse und Chancen zu identifizieren.

Buntenbach: „Wie bekommen wir eine Aufwärtsmobilität am Arbeitsmarkt hin?“

Gesprächsrunde mit Repräsentanten verschiedener wissenschaftlicher Gremien

Der zweiten Podiumsrunde, in der ebenfalls über die Rolle und Funktion des IAB diskutiert wurde, gehörten vier Repräsentanten verschiedener wissenschaftlicher Gremien an: Stephan Lessenich, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Soziologie und Professor für Soziologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München (sowie Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des IAB); Michael Pflüger, ehemaliger Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats des IAB und Professor für Internationale Ökonomik an der Julius-Maximilinas-Universität Würzburg; Prof. Christoph M. Schmidt, Vorsitzender des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und Präsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung in Essen sowie Prof. Achim Wambach, Vorsitzender des Vereins für Socialpolitik und Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim (ZEW).

v.l.n.r.: Moderator Marc Beise (Süddeutsche Zeitung) im Gespräch mit den Professoren Stephan Lessenich (Ludwig-Maximilians-Universität München), Michael Pflüger (Universität Würzburg), Christoph M. Schmidt (Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Essen) und Achim Wambach (Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung, Mannheim).

Sprachen aus der Sicht der Wissenschaft über die Rolle und Funktion des IAB (von links): Moderator Dr. Marc Beise (Süddeutsche Zeitung) mit den Professoren Stephan Lessenich (Ludwig-Maximilians-Universität München), Michael Pflüger (Universität Würzburg), Christoph M. Schmidt (Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Essen) und Achim Wambach (Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung Mannheim).

Lessenich: „Das IAB leistet objektivierende Forschung in einem hochgradig politisierten Umfeld“

Aus Sicht von Stephan Lessenich hat das IAB als wissenschaftliches Institut Vorbildcharakter. Als Beispiel nannte der Soziologe die SGB-II-Begleitforschung: Zur aktivierenden Arbeitsmarktpolitik in einem hochgradig politisierten und ideologisierten Umfeld leiste das IAB objektivierende Forschung – und dies sowohl aus soziologischer als auch aus ökonomischer Perspektive. Gerade in dieser praktizierten Interdisziplinarität sieht Lessenich einen wichtigen komparativen Vorteil für das IAB in der deutschen Arbeitsmarktforschung.

Schmidt: „Es gibt keine Konkurrenz zwischen IAB und Sachverständigenrat“

Christoph M. Schmidt äußerte sich zu der vom Moderator aufgeworfenen Frage, ob sich IAB und Sachverständigenrat als Konkurrenten auf dem Feld der arbeitsmarkt- und wirtschaftspolitischen Beratung sähen. Schmidt verneinte dies mit dem Hinweis, dass sich beide Institutionen im politischen Beratungsprozess ergänzten. Zudem nutze der Sachverständigenrat bei der Erstellung seiner jährlichen Gutachten regelmäßig die Expertise des IAB. Auch die Tatsache, dass aus den gleichen Daten manchmal unterschiedliche politische Schlussfolgerungen gezogen würden – etwa beim Mindestlohn –, sieht Schmidt keineswegs als Problem, sondern als ein in der Wissenschaft durchaus übliches Phänomen.

Wambach: „Das IAB war ein ,Pathbreaker` für die evidenzbasierte Arbeitsmarktpolitik“

ZEW-Chef Wambach schätzt das IAB nicht nur für seine interdisziplinäre Forschung, sondern auch dafür, dass es schon seit langem sehr gute Daten generiere. Das IAB sei ein „Pathbreaker“ für die evidenzbasierte Arbeitsmarktpolitik – und das nicht nur in Deutschland, sondern auch im internationalen Vergleich. In anderen Politikbereichen würden ähnlich umfassende und detaillierte Daten oft noch fehlen.

Pflüger: „Das IAB ist toll aufgestellt“

Michael Pflüger, der bis zum Frühjahr 2017 neun Jahre lang dem Wissenschaftlichen Beirat des IAB angehörte und zum Schluss dessen Vorsitzender war, sieht das Institut in der Wissenschaftslandschaft gegenwärtig „toll aufgestellt“. Der wissenschaftliche Beirat, so Pflüger, fungiere als eine Art Stachel für die wissenschaftliche Forschung im Institut und insistiere darauf, dass die Forschung „state-of-the-art“ sei. Dabei habe der Beirat die Balance und die Breite des bearbeiteten Themenspektrums im Blick. Ferner rege er vorausschauend die Beschäftigung mit neuen Themen an, so zum Beispiel mit dem Thema Migration, das erst in den letzten Jahren zu einem „heißen“ Thema wurde und zuvor eher ein Schattendasein geführt habe.

Festrede von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles

Nahles: „Eine wissenschaftlich fundierte Politikberatung, wie sie das IAB seit 50 Jahren leistet, ist der Wahrheit verpflichtet“

Schätzt die Arbeit des IAB und lobt dessen gutes Gespür für Themen – Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles

Schätzt die Arbeit des IAB und lobt dessen gutes Gespür für Themen – Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles.

Es war dem IAB eine besondere Ehre, Andrea Nahles, seit 2013 Bundesministerin für Arbeit und Soziales, als Festrednerin begrüßen zu dürfen. In ihrer Ansprache würdigte die Ministerin die Arbeit des IAB als „eine der wesentlichen Säulen der Sozialpolitikforschung in Deutschland“. Gerade in Zeiten von Fake-News und von Entscheidungen, die gerne mal aus Stimmungen und Emotionen heraus getroffen werden, sei ein Institut wie das IAB wichtig: „Eine wissenschaftlich fundierte Politikberatung, wie sie das IAB seit 50 Jahren leistet, ist der Wahrheit verpflichtet.“ Die wissenschaftliche Politikberatung des IAB sei ein wichtiger Kompass für die Politik. Zugleich lobte Nahles die Unabhängigkeit, die sich das IAB trotz seiner Nähe zur Politik und zur Bundesagentur für Arbeit erfolgreich erarbeitet habe.

Nahles erinnerte daran, dass das IAB vor allem deswegen gegründet wurde, um die Folgen der Automatisierung für die Arbeitsplätze in Deutschland wissenschaftlich zu untersuchen. Genau bei diesem – aber auch bei vielen anderen Themen – werde das IAB auch in Zukunft gebraucht. Lobend erwähnte Nahles auch die zwölf Jahre SGB-II-Begleitforschung des IAB, ohne die man heute viele Kenntnisse zur Grundsicherung so nicht hätte. Ähnliches gelte für die Erkenntnisse des IAB zum Abbau der Langzeitarbeitslosigkeit, die maßgeblich in das ministerielle Konzept zum Abbau der Langzeitarbeitslosigkeit unter dem Titel „Chancen eröffnen – soziale Teilhabe sichern“ eingeflossen seien. Auch für die Zukunft erwartet Nahles eine intensive Forschung des IAB zu diesem Thema.

Nahles: „Das IAB hat die Diskussion um den Mindestlohn entideologisiert“

Eine besonders positive Rolle bescheinigte die Ministerin dem IAB bei der Diskussion um den Mindestlohn. Hier habe das Institut schon sehr frühzeitig und durchgehend auf Basis von Daten und empirischen Ergebnissen argumentiert, etwa zu den Wirkungen des Mindestlohns in anderen Ländern oder im Bauhauptgewerbe in Deutschland. Damit habe das IAB die Diskussion um den Mindestlohn „entideologisiert“. Gegen Ende ihrer Rede pries die SPD-Politikerin noch einmal das gute Gespür des IAB für Themen, etwa bei den Themen Migration und „Arbeit 4.0“. Letzteres berge nicht nur Probleme, sondern auch Chancen für die Gestaltung der  Arbeitswelt. Gerade bei solchen Zukunftsfragen müssten Politik und IAB eng zusammenarbeiten.

Festrede von Kardinal Reinhard Marx

Kardinal Reinhard Marx schreibt dem IAB auch eine Vorbildfunktion für andere Länder zu.

Kardinal Reinhard Marx schreibt dem IAB auch eine Vorbildfunktion für andere Länder zu.

Es war im Jahr 1981. Reinhard Marx, ein junger Priester am Sozialinstitut des Erzbistums Paderborn bereitet eine Diskussionsveranstaltung zur „Zukunft der Arbeit“ vor. Er braucht aktuelle Zahlen zum Arbeitsmarkt und Antworten auf Fragen wie: Was ist eine stille Reserve? Was ist Produktivität? All diese Informationen erhält er vom IAB. Heute, 36 Jahre später, ist Marx Kardinal, Erzbischof von München und Freising, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz und Präsident der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft. Und noch immer, so versichert er glaubwürdig, sei das IAB für ihn eine wichtige und geschätzte Informationsquelle bei Arbeitsmarktfragen. Das IAB verstünde es, wirtschafts- und sozialwissenschaftliches Wissen zu vereinen, um aktuelle politische Fragen zu beantworten – und habe so als Forschungseinrichtung auch eine Vorbildfunktion für andere Länder.

Marx: „Im Zentrum allen wirtschaftlichen Unternehmens steht der Mensch und im Zentrum allen menschlichen Handelns steht die Arbeit“

Nach diesem kurzen und sehr persönlichen Rückblick auf das IAB rückt Marx den Wert der Arbeit für den Menschen in den Mittelpunkt seiner Rede. Ganz im Sinne der katholischen Soziallehre postuliert er, dass sich der Wert der Arbeit vor allem daran bemesse, was diese für den Menschen bedeutet. Arbeit sei untrennbar mit dem Menschen verbunden und Ausdruck seiner Person. Demnach ist Arbeit für den Kleriker Marx auch untrennbar mit der Menschenwürde verbunden. Dabei könnten nicht nur die Bedingungen, unter denen Menschen arbeiten, menschenunwürdig sein; ebenso menschenunwürdig sei es, wenn Menschen überhaupt keinen Zugang zu Arbeit haben. Unter Berufung auf Johannes Paul II, der den prinzipiellen Vorrang des Menschen vor dem Kapital betont hatte, warnte er davor, die Arbeit und somit den Menschen selbst zum bloßen Objekt von „Kapitalverwertungsinteressen“ zu degradieren.

Marx: „Das Normalarbeitsverhältnis ist das Rückgrat der Freiheit und der Zukunft der Demokratie“

Das Normalarbeitsverhältnis ist für Marx ein „Rückgrat der Freiheit und der Zukunft der Demokratie.“ In einer freien und demokratischen Gesellschaft müssten wir uns fragen, was prekäre Arbeitsverhältnisse und die Angst vor Arbeitsplatzverlusten mit den Menschen machen. Sorgen bereiten ihm auch die hohe Beschäftigung im Niedriglohnbereich und die verfestigte Langzeitarbeitslosigkeit. In einer sozialen Marktwirtschaft müsse das Prinzip einer dynamischen Chancengerechtigkeit gelten: Menschen müssten demnach immer wieder eine Chance bekommen, um nicht perspektivlos im Transfersystem verharren zu müssen. Auch die Integration von Geflüchteten treibt den katholischen Würdenträger um. Er warnt vor einer Politik à la „Germany first“, die ausschließlich auf die hochqualifizierten Migranten setzt. Die Forschung müsse sich hier zuvörderst der Frage widmen, wie erfolgreiche Integration von Geflüchteten in den Betrieben gelingen kann. Mit Blick auf die Humanisierung der Arbeit im Zeitalter von Globalisierung und Digitalisierung müsse die Politik ihren Gestaltungsanspruch in Gesellschaft und Wirtschaft wirklich wahrnehmen. Ansonsten verkümmere der Mensch zum Mittel in der Arbeit. Zudem erinnerte Marx daran, dass sich die Kirche stets für ein Welthandelsregime ausgesprochen habe. Denn nur so könnten menschenwürdige Arbeitsbedingungen so organisiert werden, dass sie für alle verpflichtend sind.

Schlusswort von IAB-Vizedirektor Dr. Ulrich Walwei

Walwei: „Vom IAB sind auch in den nächsten 50 Jahren unbequeme und überraschende Befunde zu erwarten“

„Das IAB muss beständig weiter an seiner Reputation arbeiten“, fordert IAB-Vizedirektor Dr. Ulrich Walwei.

„Das IAB muss beständig weiter an seiner Reputation arbeiten“, fordert IAB-Vizedirektor Dr. Ulrich Walwei.

In seinem Schlusswort dankte Dr. Ulrich Walwei, Vizedirektor des IAB, insbesondere den derzeitigen und den ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Instituts: „Sie füllen das IAB und die Forschung mit Leben.“ Dank zollte Walwei auch allen Rednerinnen und Rednern der Jubiläumsfeier für ihre freundlichen, unterhaltsamen und auch nachdenklichen Worte. Ihr Lob und ihre Wertschätzung gäben dem IAB Ansporn für die nächsten 50 Jahre. Das IAB wolle auch künftig ein Vorreiter in der Forschung sein, offen für Kooperationen und der relevanten und evidenzbasierten Politikberatung verpflichtet. Vom IAB seien weiterhin unbequeme und überraschende Befunde zu erwarten.

Mit Blick in die Zukunft sieht Walwei vier wesentliche Aufgaben für das IAB: Erstens müsse das IAB beständig weiter an seinem Kapital, seiner Reputation, arbeiten. Diese basiere auf unabhängiger Forschung und wissenschaftlicher Politikberatung. Zweitens müsse das IAB die Qualität von Forschung, Beratung und Daten stetig verbessern, denn auf diesen Säulen beruhe die hohe Reputation des Instituts. Auch müsse das IAB weiterhin ein attraktiver Arbeitgeber bleiben, denn ohne seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gäbe es das IAB nicht. Nicht zuletzt muss das IAB laut Walwei noch anpassungsfähiger werden: “Die Welt um uns herum wird sich weiter verändern, und das IAB muss sich mit neuen Themen, Daten, Methoden und Adressaten diesen Herausforderungen stellen.“

 

Alle Fotos: J. Konrad Schmidt

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